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Mo, 07.03.2011"Habe Gemeinde lieben gelernt"
"Ein schöner Tag" (Amazing Grace) sang Heidi Kolpack gestern unsichtbar für die Besucher des Festgottesdienstes von der Empore der Visbeker Emmauskirche. Und dieser Tag "voll Glück und Harmonie", an dem die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Visbek-Langförden das 25jährige Ortsjubiläum von Pfarrer Wilfried Scheuer feierte, wird - wie in dem Lied gesungen - für alle unvergesslich bleiben.
Scheuer selbst war in dem Festgottesdienst in der voll besetzten Kirche ausnahmsweise selbst nur Gast. Am Altar versahen die Pastorinnen Kerstin Keßler und Andrea Hilgen-Frerichs den Dienst. Beide hatten als Vikarinnen in Scheuers Gemeinde einen Teil ihrer Ausbildung absolviert. So bekam der Gottesdienst eine sehr persönliche, familiäre Atmosphäre. Keßler erinnerte an das Motto der Kirchengemeinde: "Gemeinsam auf dem Weg". 25 Jahre lang hätten Scheuer und seine Frau Marlies in der Gemeinde gesät und geerntet. Beide mussten symbolisch Trauben ernten, die ihnen die Gemeindemitglieder zureichten. Diese "Früchte deines Wirkens" kamen in ein riesiges Weinglas, das nun gefüllt war mit all jenen segenreichen Werken gelebter Gemeinde wie: Beten, Ökumene, Bauen (Kirche und Gemeindehaus), umschlossen vom unsichtbaren Glas als der allumfassende Gott.
Beide, Keßler und Hilgen-Frerichs erinnern sich gern an die Zeit in Visbek zurück, in der Scheuer ihnen "fachkundig und geduldig das Handwerkszeug beigebracht hat". Sie schenkten ihm zwei Weinstöcke, die ihm reiche Ernte bringen mögen.
Ein Dankeswort sprach auch Pfarrer Virginijus Kelertas aus Sudargas (Litauen). "Ihr habt uns eure Bartningsche Kirche und damit ein neues Gemeindeleben geschenkt und viele Lebensspuren hinterlassen", sagte er. Kinder in Sudargas hätten ein Bild gemalt mit dem, was ihnen für 25 Jahre am wichtigsten scheint. Das Gemälde zeige Elemente wie Gottes Wort, Glaube und Gebet, Liebe, Hoffnung, Freundschaft, den Himmel, die Erde "und sogar den alten Käfer, den du früher gefahren hast", so Kelertas. Eine kleine Lücke hätten die Kinder gelassen, die könne er selbst ausfüllen mit etwas, das ihm wichtig sei.
Nach dem Gottesdienst für Scheuer in einem alten Käfer, der seinem Gefährt von damals sehr ähnelte, zum Empfang im Saal Hermes. Hier riss die Schar der Gratulanten nicht ab. Kreispfarrer Michael Braun dankte Scheuer als dienstältestem Pfarrer im Kirchenkreis für 25 Jahre Engagement zum Wohl aller evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden in den Kreisen Vechta und Cloppenburg, denn er sei auch stellvertretender Kreispfarrer.
Pfarrer Hermann Josef Lücker nannte Scheuer einen guten Wegbegleiter, der von Anfang an die Ökumene vorangebracht habe, schon bei seinen beiden Vorgängern Wilgen und Timmerevers. Das gute Miteinander werde auch deutlich in den ähnlichen Logos der beiden Gemeinden: "Gemeinsam auf dem Weg" und "Miteinander".
Bürgermeister Heiner Thölke gratulierte im Namen der politischen Gemeinde. Er habe Scheuer auch als Sportler und Mitglied im Kulturkreis kennen gelernt und wisse, dass er ein großer Krimifan sei. Deshalb wünschte er ihm weiter eine "spannende Zeit in Visbek".
Die stellvertretende Vechtaer Bürgermeisterin Edith von Fricken lobte Scheurs große Wertschätzung bei den Gemeindegliedern und sein Engagement beim Ausbau der Versöhnungskirche. Sie lud ihn zum nächsten Stoppelmarkt ein, weil sie erfahren habe, dass er "noch nie dort gewesen ist".
In einem amüsanten Zwiegespräch mit einer Handpuppe blickte Doris Fangmann für den Gemeindekirchenrat auf 25 Jahre zurück, ausgehend von den "verlockenden Voraussetzungen" (in Visbek wurde gerade das Pfarrhaus renoviert) bis heute. Neben einem Talar mit Beffchen und Widmung zum Ortsjubiläum überreichte die Kirchengemeinde ihm - wie er es sich gewünscht hatte - einen Spendenbetrag in Höhe von 1.110,00 EUR für die ViLa-Stiftung.
Scheuer dankte allen für die vielen "wohl übertriebenen" Lob- und Danksagungen. Er habe doch nur seine Pflicht getan. Er sei glücklich, "in Visbek angekommen zu sein" und er versicherte, dass er "die Gemeinde lieben gelernt hat".
Oldenburgische Volkszeitung 07. März 2011

